Neulich beim Friseur

Die Sorgen des Coiffeurs
Vor der Verwandlung

 

Eine Frau kommt herein und sagt seufzend, sie brauche mal was Neues, sie wolle sich verändern. Dieser Satz ist sicherlich der Traum aller Coiffeure und sie lächeln dann bestimmt glückselig und sagen sich, es sei doch richtig gewesen, diesen anstrengenden und unterbezahlten Beruf zu ergreifen. Vielleicht hinten kürzer, dann wirkt der Nacken länger, und seitlich ordentlich durchgestuft? Oh nein, sagt die Frau, alles sei ihr recht, aber bitte nicht so viel kürzen!  Dann würde ich Ihnen empfehlen, das Deckhaar lang zu lassen, aber ein klein wenig stufen müsste ich es darunter schon, sonst fehlt Volumen. Sie ist unsicher, da sie auf keinen Fall einen Fransenlook wolle. Wir können natürlich, und seine Stimme wird etwas dünner, die Länge so lassen und uns auf die Konturen konzentrieren, mit kleinen Farbakzenten. Also sie sei nicht abgeneigt, aber sie wolle nicht ins Rötliche oder ins Braunrötliche gehen und auf keinen Fall zu blond wirken. Dann wird es schwierig mit den Farbakzenten. Der Azubi feixt und tut so, als müsse er den Boden kehren. Sie einigen sich am Ende, dass er das Haar wäscht, eine Feuchtigkeitspackung einknetet und dann alles einen bis maximal anderthalb Zentimeter kürzen darf. Ihre Miene unter der Trockenhaube wirkt erleichtert und zugleich enttäuscht.

Haben wir nicht alle so einen kleinen Wasch-mich-aber-mach-mich-nicht-nass-Schweinehund in uns? Mit Patientenschweinehunden kämpfen wir Therapeuten häufig auch. Das wäre wahres Zaubern: sich ganz anders fühlen, und als Preis dafür nur ein bisschen reden.