Cogli l´attimo

carpe diem

 

 

 

 

 

 

 

Als ich einmal mit einem italienischen Patienten darüber sprach, wie er einen typischen Tag verbringe, klärte er mich darüber auf, dass es im deutschen Kulturraum ein grundsätzliches Missverständnis gebe, welches auf einem Übersetzungsfehler beruhe; das lateinische Carpe diem bedeute nicht „Nutze den Tag“, wie man dies etwa durch frühes Aufstehen erreichen könne (Morgenstund´ hat Gold im Mund…), durch straffes Zeitmanagment oder durch Wäsche aufhängen (ein zeichnerischer Einfall einer Schulkameradin, in meinem kindlichen Posiealbum künstlerisch verewigt). In Wirklichkeit müsse man das carpe diem durch „Erhasche den Tag“, „Ergreife den Augenblick“, „Erkenne die Schönheit des Moments“, „Nehme die Möglichkeiten des Hier und Jetzt wahr“ übersetzen. Die Italiener hätten es im Gegensatz zu den Deutschen kapiert. In der italienischen Sprache heiße der geflügelte Satz nicht „Nutze den Tag“, sondern „Pflücke den Tag“ – cogli l´ attimo.
Du musst schon offen sein mit allen Dir verfügbaren Sinnen, wenn Du Augenblicke pflücken möchtest.